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App-ABC

„Mit der App macht’s viel mehr Spaß!“ - Märchenbuch-Apps auf dem Prüfstand

Die Auswahl der Märchenbuch-Apps ist kaum zu überblicken. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, ist zwar kein Geheimnis, aber: Welche Apps sind wirklich gut und wie erkennt man gute Angebote angesichts dieser Vielfalt? Und: worauf sollte man beim Einsatz solcher Apps achten?

Zu den besten Märchenbuch-Apps, die derzeit auf dem Markt sind, gehören definitiv der „Märchenschatz - Vergessene Märchen & Geschichten zum Lesen“ vom eins zum anderen Media Verlag, die „Schneewittchen“-App vom Verlag Friedrich Oetinger sowie die Märchen-Apps des CARLSEN Verlags. Den Apps gemeinsam sind die kindgerechte Navigation sowie die einfache Struktur, beides eine Voraussetzung dafür, dass die Kinder sich in der App ohne fremde Hilfe zurechtfinden und orientieren können (vgl. Knopf 2016). Dennoch bringt jede App ihre ganz eigenen Besonderheiten, aber auch Schwachpunkte mit sich.

Wer auf der Suche nach einer Textsammlung größtenteils in Vergessenheit geratener Märchen wie z.B. „Der blinde König“, „Der verzauberte Grafensohn“ oder „Die drei Raben“ ist, der wird im „Märchenschatz - Vergessene Märchen & Geschichten zum Lesen“ (eins zum anderen Media Verlag) fündig. Die Märchensammlung besteht bewusst aus Originaltexten inklusive alter Rechtschreibung und zeichnet sich durch ein puristisches Layout aus. Die App ist kostenfrei verfügbar und bietet die Märchentexte auf einheitlichem, hellem Hintergrund und angemessener Schriftgröße. Die Lieblingsmärchen können mit einem Stern markiert und so beim nächsten Benutzen der App auf die Schnelle wiedergefunden werden. Da die Texte recht umfangreich sind und die App leider keine Vorlesefunktion bietet, eignet sie sich lediglich für starke Leser – und natürlich zum Vorlesen durch Erwachsene.

(https://itunes.apple.com/de/app/marchenschatz-vergessene-marchen/id897495037?mt=8)

Der Verlag Friedrich Oetinger bietet eine klassisch illustrierte Version von „Schneewittchen“ an, welche kostenlos verfügbar ist. Diese sticht vor allem durch ihre zahlreichen Funktionen heraus, wie das An- und Ausschalten der Vorlesefunktion, die Möglichkeit zur Deaktivierung und Aktivierung von Hintergrundgeräuschen und der noch recht seltenen Funktion, einzelne Wörter farbig hervorzuheben. Auch der integrierte Audiorekorder, mit dem eigene Texte eingesprochen werden können, bietet eine schöne Gelegenheit, interaktiv mit der App zu arbeiten. Der Mehrwert gegenüber dem analogen Märchen ist klar zu erkennen, denn die zahlreichen Funktionen wirken aktivierend und motivierend auf den Nutzer. Aber auch diese App ist nicht makellos. So ist der Märchentext zum Beispiel nicht auf neutralem Hintergrund, sondern auf den jeweiligen Bildern der Buch-Seite zu finden. Der farbenfrohe Hintergrund birgt die Gefahr, beim Leser zu Unsicherheit und Verwirrung zu führen (vgl. Knopf 2016).

(https://itunes.apple.com/de/app/schneewittchen-maxi-interaktiv/id598944610?mt=8)

Vom CARLSEN Verlag werden einige Märchen-Adaptionen, u.a. Rotkäppchen, Aschenputtel und die drei Schweinchen angeboten. Der Nutzer begleitet die Hauptfigur auf ihrem Weg durch die Märchenwelt und nimmt dabei Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Hierbei entscheidet der Nutzer, ob er selbst liest oder ob er lieber die Vorlesefunktion nutzt. Liest der Nutzer selbst, so kann er darüber entscheiden, wie lange der Text sichtbar ist, bis er von der Bildfläche verschwindet und der Fokus auf dem Bild liegt. Diese Funktion fördert vor allem die genaue Wahrnehmung des Rezipierenden und wird dadurch verstärkt, dass das Bild mit der Zoombewegung auf dem Touchscreen vergrößert werden kann (vgl. Knopf 2016). Ein Klick auf das „Für Erwachsene“-Feld führt zu einigen Anwendungstipps, bietet aber keine didaktischen Hinweise zur Benutzung der App. Die Märchenbuch-Apps vom CARLSEN Verlag sind ab 2,99 € zu haben.

 (https://itunes.apple.com/de/app/rotkappchen-by-carlsen/id677245410?mt=8).

Auch wenn es zurzeit schon einige Märchenbuch-Apps gibt, die einen tatsächlichen Mehrwert gegenüber dem Print-Medium haben, kann man gespannt sein auf die Weiterentwicklung der Angebote.  Insbesondere die Integration von Erwachsenenmodulen wäre wichtig. Denn es sind die Erwachsenen, die die Kinder bei der Rezeption der Märchenbuch-Apps begleiten und ihnen einen sinnvollen Umgang damit aufzeigen müssen  (vgl. Knopf/ Spinner 2016).

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