Buch und Digitales

Die Hybridstrategie der Schulbuchverlage

Von techblog:schule
<p>Trotz Digitalisierung sind Schulbücher nach wie vor die wichtigsten Lehrmittel im Unterricht. Die deutschen Schulbuch-Verlage setzen daher in den letzten Jahren vermehrt auf eine "Hybrid-Strategie", bei denen das gedruckte Buch durch eine elektronische Version, dem eBook, ergänzt wird. techblog:schule stellt hier die wichtigsten Angebote der Schulbuchverlage vor.</p>

Schulbücher sind Leitmedium. Sie sind nicht nur ein didaktisches Hilfsmittel, sondern auch ein Instrument, Unterricht effizent und zielgerichtet durchzuführen. Denn sie vereinfachen die Unterrichtsvorbereitung für den Lehrer und die Nachbearbeitung für den Schüler. Die Frage ist also nicht, ob das Schulbuch noch eine Zukunft hat oder nicht. Die Frage ist vielmehr, in welchem Format Schulbücher künftig genutzt werden? Im Print-Format, im Digital-Format oder beides? Werden die Digital-Formate grundsätzlich anders aussehen als die Print-Produkte oder werden sie (weiterhin) eine 1:1 Abbildung und mediale Anreicherung des Print-Produktes sein? Welche Vorteile ergeben sich im Unterricht, wenn Lehrer die elektronischen Formen einsetzen, mit welchen Hürden und Barrieren müssen sie rechnen? Ab wann wird die Technologie massentauglich sein? Wie man sieht, hängen viele Fragen mit dem Thema zusammen. Wir wollen hier einen Überblick über den aktuellen Stand und die Einsatzmöglichkeiten geben. Dabei wollen wir auch aufzeigen, wie Sie die Angebote der Verlage nutzen können.

Digitale Schulbücher

Digitale Schulbücher des Verbandes Bildungsmedien e.V. ist eine offene und verlagsübergreifende Lösung, bei der alle Bücher im gleichen Format angeboten werden. Alle großen Schulbuch-Verlage in Deutschland sind offiziell beteiligt, wobei einige auch ihre individuelle Angebotsstrategie parallel umsetzen. Lehkräfte und Schüler können über das Angebot von Digitale Schulbücher ihre Bildungsmedien verwalten, lesen und nutzen. Die Verlage verkaufen dabei über ihre eigenen Webshops die Freischaltcodes für das digitale Schulbuch oder liefern die Freischaltcodes beim Kauf der gedruckten Variante mit. Der Nutzer löst den Code entweder online oder in einer kostenlosen Offline-Version des Buches ein. Daneben gibt es auch kostenfreie Probezeiten für bestimmte Bücher. Nach der Aktivierung des Freischaltcodes steht das gewünschte Buch auf den unterstützten Plattformen über die Apps von Digitale Schulbücher on- und offline zur Nutzung bereit. Die Schüler können die Bücher auf ihren Geräten entweder über den Webzugang, die App oder eine Software auf PC und Mac nutzen.

Video

https://vimeo.com/52450376

Leider hat die Plattform jedoch einige Nachteile:

  • Die Bücher sind analog zu den Print-Produkten digitalisiert.

  • Bilder und Textelemente sind statisch wie im Buch eingbunden und nicht animiert.

  • Hyperlinks auf Begleitmedien wie z.B. Audios sind nicht hinterlegt.

  • Druckfunktionen sind aktuell nicht verfügbar. 

  • Hohe Komplexität des Zugangs zum Inhalt.

  • Weniger gute Usability.

All dies führt dazu, dass die technischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden und sich das Konzept bisher nicht durchgesetzt hat. Der Mehrwert des Angebots liegt primär im alternativen Zugriff auf den Inhalt des Buches von jedem Platz aus, von dem man Internetzugang hat, bzw. wenn man es auf sein Endgerät heruntergeladen hat. Die nachfolgende Abbildung zeigt ein Digitales Schulbuch vom Schroedel Verlag, wie es über die Plattform Digitale Schulbuecher gelesen werden kann.

Trotz seiner Schwächen schafft das Angebot eine gute Grundlage, denn es versucht den Markt zu standardisieren. Die Inhalte bleiben verlagsspezifisch, aber die Software zum Lesen, Bearbeiten und Annotieren von Büchern ist übergreifend und funktioniert. Die Lösung ist damit für den Unterricht gut nutzbar und unterstützt auch mobile Devices. 

Schulbuchplattform Scook 

School + book Scook! Cornelsen, Duden und der Oldenbourg Verlag haben zusammen mit Microsoft eine Plattform für Schüler und Lehrer eröffnet. Nach einer Registrierung von Schülern und Lehrern und dem Kauf eines Buches über einen Freischaltcode stehen die Bücher sofort in der Weblösung oder via App zur Verfügung. Bücher können so online als auch offline synchronisiert und gelesen werden.

Scook verfolgt zwei Anwendungsszeanrien: Einerseits ist es für Schüler gedacht, die das Buch elektronisch überall dabei haben können. Hier ist es somit eine Ergänzung zum gedruckten Buch. Andererseits hat Scook auch den Lehrer im Fokus mit dem Ziel, ihn im Sinne eines digitalen Unterrichtsassistenten zu unterstützen. Per Webbrowser lassen sich die Schulbuchseiten als digitaler Unterrichtsassistent aufrufen und z.B. per Whiteboard oder Beamer an die Wand projizieren. Teile des Textes oder der Abbildungen können verdeckt werden und es lassen sich Markierungen oder Beschriftungen hinzufügen. So kann Unterricht anschaulich und innovativ gestaltet werden. Hier liegt auch ein großer didaktischer Vorteil von Skook, sofern ein Lehrer oder eine Schule sich für Bücher der beteiligten Verlage entschieden haben. 

Video

https://youtu.be/jn9kDyIo030

Schulbücher bei scook sind dennoch im wesentlichen digitale Repräsentationen des gedruckten Buches, d.h. auch hier werden die digitalen Mehrwerte nicht so genutzt, wie es technisch möglich wäre. Visuell ist die Plattform und die Leseapp sehr ansprechend aufbereitet. Die Bestellprozesse für Bücher sind einfach implementiert. Nachteil des Ansatzes ist die verlagsspezifische Konzeption und der noch fehlende Mehrwert der medialen Aufbereitung der Schulbücher.

Der digitale Unterrichtsassistent

Ähnlich wie bei Scook bietet auch Klett mit dem "digitalen Unterrichtsassistenten" eine eBook-Software für Lehrer an. Mit dieser Software können Lehrer digitale Schulbücher im Unterricht einsetzen und auf Inhalte direkt aus dem Buch heraus zugreifen - von Medien, Begleitunterlagen, Unterrichtshinweisen bis hin zu Online-Tests, um den Leistungsstand von Schülern abzuprüfen. Integriert in das digitale Buch sind ergänzende Unterrichtsmaterialien wie Arbeitsblätter, Kopiervorlagen, Musterlösungen, Audios und Videos oder Simulationen, Verlinkungen in den Begleitband oder in das Web sowie ergänzende Unterrichtshinweise für Lehrer. Auch interaktive Übungen können enthalten sein. Dadurch kann das Schulbuch in Verbindung mit einem Beamer oder interaktiven Whiteboard gut im Unterricht eingesetzt werden. Teile des Schulbuchs können dabei verdeckt werden, so dass sie den Schülern schrittweise präsentiert werden können.

https://youtu.be/5dH4HVxXFzE

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